Alles ist dem babylonischen Geld verfallen. Der König ist nur noch eine Marionette. Priester haben im Hintergrund die wahre politische Macht in den Händen. Sie raffen das Geld der Bürger, durch harte Methoden eingetrieben, an sich und werfen dem König die abgenagten Knochen vor. Der König war machtlos. Wenn er einschreiten würde hätte er vielleicht sogar die Götter Babylons gegen sich. Und das sind nicht wenige. Was schlimmeres kann einem König nicht passieren. Besonders wenn er satt ist und dekadent und sich nur noch um sein eigenes Wohlergehen kümmert. Das da sind: Wein, Weib, Spiel und Gesang. Grausige Spiele wie sie später nicht einmal die Römer aussinnen konnten.
Dies war die Situation die ich vorfand als ich Babylon kennenlernte. Aussen hui und innen pfui. Ich verkaufte meine ganzen Trockenfrüchte und erhielt babylonisches Tontafelgeld wovon ich die hier vorkommenden Nüsse kaufte. Ein glänzendes Geschäft wie ich meinen wollte. Meine Kamele würden wieder ganz schön was zum Schleppen haben.
Etwa die Hälfte meines Tontafelgeldes habe ich in Nüsse investiert, als plötzlich etwas ungeheures geschah. Man nahm mir die Tontafeln nicht mehr ab. Tontafelentwertung! Etwas mir völlig unbekanntes. Ich wusste zwar von den Schwankungen im Geldmarkt. Aber ich war auf Gold geeicht. Und Gold behielt immer noch etwas an Wert. Meine Tontafeln allerdings konnte ich in die Wüste werfen. Sand zu Sand. Ton zu Ton. Ich war der angeschmierte. Man hat es zwar schon läuten hören, dass die babylonische Währung in Probleme steckte. Aber es traf trotzdem alle wie die nassen Hunde. Keiner verstand mehr den anderen. Es herrschte Sprachverwirrung. Denn die Tontafelsprache war dem allgemeinen Volk nicht geläufig. Nur die Priesterkaste hatte den Zugang dazu.
Später wurden sie von dem wütendem Volk abgemurkst. Götter hin oder Götter her. Mit Tontafeln und verknöcherten Priestern konnte man halt nicht den knurrenden Magen beruhigen. Und Ratten als Proteinspender wurden auch immer rarer. Die heiligen Katzen wurden heimlich schon alle verzehrt. Bei Nacht und Nebel, dass der Katzengott es ja nicht mitbekommen würde. Den Turm zu Babel, den die Priesterkaste bis in den Himmel bauen wollte um den Göttern die Hand zu reichen, traf das gleiche Schicksal wie die Tontafeln. Sand zu Sand Ton zu Ton.
Die Ägypter konnte man noch mit Zwiebeln beim Bau der Pyramiden bei Laune halten. Bei den Babyloniern klappte dieser Trick nicht. Da müsste schon Bier herhalten. Aber das kostete zu viel in der Herstellung. Ausserdem war der bekritzelte Ton wertlos geworden. Zuerst nahm das Pack Beschlag von dem Riesenbau und feierte darin seine Gelage. Dann zerfiel er. Lehm ist noch weniger haltbar wie Ton. Mit meinen Nüssen konnte ich den Schaden noch etwas eindämmen. Allerdings habe ich das eine gelernt. Traue keinen Tontafeln nicht!
Als ich alt war und meine Söhne das Geschäft weiterführten war ich zwar vermögend, vielleicht sogar reich, aber noch lange nicht der reichste Mann der Welt. Daher kann von Glück auch keine Rede sein. Tontafeln versauen mir immer noch den Appetit wenn ich nur an diese Dinge denke. Die Stadt Babylon versank mit seinen inzwischen auf viertausend Bürger eingeschrumpften Einwohnerschaft in Vergessenheit. Trockenobst hätte da länger gehalten.
Das Spiel mit Wein und Weib hat der Pöbel von dem inzwischen gelynchten Geldadel übernommen. Durch die übermässigen Saufgelage wurde das Immunsystem der restlichen Einwohner geschwächt und man vermutet, dass ein besonders gehässiger Gott ihnen einen Aidsvirus ins saure Bier geschüttet hat. Wohl bekomms!
Fortsetzung folgt!
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