Dienstag, 12. April 2011

Fortsetzung 13

Inzwischen habe ich mit Stiefellecken und so manchen gehässigen Intrigien, aber auch mit fein gesponnen und fast künstlerisch zu nennenden Fäden wie eine Spinne so manchen Widersacher aus dem Weg geräumt und mich zum stellvertretenden Vorsitzenden meiner Partei  hochgarbeitet. Es war die beste Praxis um vorwärts zu kommen. Denn es war nicht immer einfach. Zahlreiche Freunde, oder besser gesagt, Steigbügelhalter, liess ich enteuscht hinter mir. Mich kümmerte das wenig. Mein Nahziel war der Stuhl des Parteivorsitzenden. Und dann sieht man weiter wie ich mich mit Ellenbogen und List den mir zustehenden Thron besteigen konnte. Denn der König mit seiner Pracht und seinen Supermätressen  stach mir ins Auge. Ich wusste, dass ich kein blaues Blut habe, aber ein Machtgieriges. Und es war Zeit die Demokratie auszurufen. Die war leicht zu übernehmen. Denn ich habe das wahre staatsmännische Geschick und die Unverfrorenheit mich mit so allerhand Versprechen in die Szene zu setzen. Natürlich vergesse ich schnell was ich da verzapft habe. Was kümmert mich mein Geschwätz von Gestern. Ich werde die Fäden ziehen! Schliesslich steht mir dies von Geburt aus zu.

Der Vorstandsvorsitzende war wirklich ein harter Brocken. Wir standen auf gleicher Höhe mit unseren schmutzigen Tricks. Nur, dass er nichts von meinen Gedanken ahnte. Denn ich war ein perfekter Schauspieler und Lump. Und er sah nur nach vorwärts um Kanzler zu werden. Während ich auch einen Rückspiegel habe. Denn der Feind kann auch von hinten kommen. Der wirkliche Machthaber war in einer Monarchie immer der Kanzler und niemals ein selbstverliebter König. Und insgeheim wusste ich schon längst, dass die wahre Macht von den Gold und Geldbesitzern ausgeht. Und die bauten trickreich ein Bankensystem aus das ich schnell durchschaute und das seiner genialen Einfachheit wegen nirgends Verdacht auslöste.  Oh ja, ich lernte viel und ich war kreativ veranlagt. Besonders in Intrigien und Fallen stellen. Das Handwerk eben das ein ehrgeiziger Emporkömmling beherrschen musste. Ich war dieser Partei und ihren Mitgliedern haushoch überlegen. Diese Knaben waren nur noch Mittel zum Zweck.

Ich ging gerne in der freien Natur bei Wind und Regen spazieren. Hier liess ich mir von der frischen Luft meine Gehirnzellen durchpusten. Wald und Wiese haben mir schon so manche Eingebung zugespielt. Besonders wilde Hunde die um einen Knochen raufen faszinierten mich. Ich kam ins Grübeln und dachte nach wie ich meinen Widersacher, den Parteivorsitzenden, aus dem Weg räumen könnte. Dies ist so meine Art von Meditation. Dabei stierte ich, voller düsteren Gedanken vollgesogen, auf den Waldweg den ich gerade entlangwandelte. Da blitzte mir etwas Rotes, weissgeflecktes und Hutartiges in mein auf Hochtouren arbeitendes Gehirngekröse. Ein Fliegenpilz! Irgendwie kam mir die Situation bekannt vor. Wie wenn ich sie schon einmal erlebt hätte. Das hat etwas zu bedeuten, schoss es mir in den Kopf.

Ich hob den giftigen Pilz empor und in Ermangelung eines Behältnisses nahm ich meinen Tabaksbeutel und leerte ihn halb weinend am Boden aus. Denn dieser Tabak hat mir eine reiche Anhängerin gespendet. Ein wirklich edles und sehr teures Kraut. Darin verstaute ich den Pilz und kehrte schnurstracks um und ging eilends nach Hause. Muss ich mich noch weiters erklären? Jaaa, ich werde ihn vergiften. Ich werde meinem Widersacher geben was ihm gebührt. Denn mich kümmert es nicht wenn Leichen meinen Weg nach oben  pflasterten.  Ich war der Grösste!


Fortsetzung folgt!

Sonntag, 20. März 2011

Fortsetzung 12

Ich hatte spitzige Ellenbogen und die Hartnäckigkeit eines Wasserbüffels. Aber die störrischen Eigenschaften eines Esels habe ich klugerweise vermieden. Ich war geschmeidig wie Nappaleder. An jeden Körper konnte ich mich anpassen. Insbesondere an den Körper meiner politischen Partei der ich hündisch ergeben war. Aber eines konnte man mir nicht nachsagen und das war fehlender Ehrgeiz. Ich sah auch wie der Parteiführer Macht besass und die Menschen um die Finger wickeln konnte. Und wenn der Karren nicht so richtig nach seiner Anweisung lief konnte er seine unverschämte Macht ausspielen weil er genug Speichelecker und Stiefelputzer um sich versammelt hatte.

Das imponierte mir mächtig. Ich überlegte wie ich mir diese Macht über andere aneignen konnte. Keinen schmutzigen Trick liess ich in meinen Gehirnwindungen aus. Ich nagte förmlich im Geiste an dem Stuhl des Parteivorsitzenden. Aber ich vergass natürlich auch nicht die noch allmächtigere Monarchie. Doch die war mir aus Gründen meiner bürgerlichen Geburt verschlossen. Eine Schnapsbrennerfamilie ist halt nicht die richtige Visitenkarte. Vielleicht konnte man dies eines Tages umgehen. Der befreiende Duft der Revolution stieg aus dunklen Quellen auf. Ich wusste, dass das nichts mit den Arbeitern und sonstigen armen Teufeln zu tun hatte. Revolutionen kommen nie von unten sondern werden von oben ausbaldowert. Ja, so schlau bin ich schon geworden. Und mein in dieser Inkarnation absichtlich verpasster, mieser Charakter erdachte intrigante Spiele.

Fortsetzung folgt!

Samstag, 19. März 2011

Fortsetzung 11

Als ich auf der anderen Seite nach meiner unrühmlichen Inkarnation als Papst angekommen bin beklagte ich mich bitter bei dem zuständigen Engel. Mir wurde natürlich der Mantel des Vergessens abgenommen und ich würde am Liebsten vor Scham in den Boden versinken.

"Mein guter Freund", sagte der Engel, "du hast deine Inkarnation fabelhaft ausgeführt. Nichts hat gefehlt in deinem liederlichen Lebenswandel. Du hast dein Spiel perfekt gespielt und sicher gelernt wie man es nicht machen sollte".

"Oh ja, das habe ich. Aber das Nächstemal würde ich mich doch lieber als Trockenobstexperte betätigen. Da kann man nicht viel falsch machen. Ausser, dass man ab und zu einen Wurm übersieht."

"Und was würdest du denn da lernen?"

"Nun", antwortete ich", daran habe ich gar nicht gedacht. Was soll ich denn also bei meiner nächsten Inkarnation lernen"?

"Oh! Zuerst darfst du dich wie üblich ein paar Jahre entspannen und deinem Entwicklungsstand entsprechend eine lockere Tätigkeit ausführen. Zum Beispiel bei der Mannaherstellung eine Stunde am Tag helfen und dann den Müssiggang pflegen. Aber deine nächste Inkarnation wird dir helfen die vergangenen Fehler wieder gutzumachen und ein paar neue zu machen".

"Darf ich fragen was mir da blüht"? (Meine Stimme zitterte ein wenig).

"Du wirst Politiker werden"! (Ich bemerkte wie ein Hauch von Schelm über das Gesicht des Engels zog).

Und so wurde ich Politiker!

Und wieder wurde ich in eine Schnapsbrennerfamilie geboren. Durch ihr vorzügliches Zwetschgenwasser haben sie sich einen Namen gemacht. Ich wurde den Zwetschgengeruch einfach nicht los. Und ich wusste einfach noch nicht was der Zwetschgen Kern war. Irgendwann werde ich wohl erfahren was des Zwetschgen Kern ist, da bin ich mir sicher. Denn alles hat seinen Sinn. Auch wenn ich diesen in meiner jetzigen Inkanation noch nicht erfahren durfte. Denn mir war ein weltlicher Job vorgesehen. Eine sehr weltliche Aufgabe. Ich sollte Politiker werden!

Schon früh zeigte sich meine Begabung als Politiker. Denn ich konnte das Schwarze vom Himmel lügen. In Ausreden war ich nie verlegen und im Worte verdrehen wurde ich so nach und nach Meister. Arbeit hat mir nie gefallen. Das Bücken und das Schwitzen überliess ich lieber den anderen. Aber ich stand gerne dabei um meinen Senf abzugeben. Ich spielte den Mann von Welt. Ich wurde zum Besserwisser obwohl ich offen zugebe, dass ich so gar nichts weiss, sondern nur nachplappere. Ich hatte also die besten Voraussetzungen um einen guten Politiker abzugeben.

Ich wurde in eine Zeit hineingeboren als man so manche kleine Helferlein erfand. Zum Beispiel den Webstuhl und die Dampflokomotive. Der Mensch wurde von dem Urgrund so langsam mit immer mehr nützlichen Intuitionen versorgt. Der Geschwindigkeitsrausch erfasste das vorindustriellen Zeitalter. Und ich stand also mit meinen zwei Beinen zwischen Pferdefuhrwerk und der Dampfkraft. Es war ein bewegendes und hochinteressantes Zeitalter, dass da natürlich Späne fallen würden war vorauszusehen.

Fortsetzung folgt!

Mittwoch, 9. März 2011

Fortsetzung 10

Mit einem schweren, goldenen Fingerring gerüstet segnete ich die armen Schafe die vor dem Palast die Worte aus meinem Mund saugten die mahnend und tröstend daraus herausträufelten. Mehr mahnend als tröstend. Denn Angst macht Spendierlaune.  Ich vergass dabei natürlich nicht sie zu erinnern, dass sogar den letzten Hosenknopf zu spenden gut für ihre Seele sei. Dass mein Verein dabei nicht erwähnt wurde versteht sich von selbst. Denn die meinten, dass Gott persönlich die Spenden in Empfang nehmen würde.

Unwissenheit des Fussvolkes ist etwas vorteilhaftes. Wenigstens für meinesgleichen. Aber ich selbst stieg fast täglich in die grosse Bibliothek in der hochgesicherten Unterwelt des Palastes. Und da waren wirklich alle Bücher vereint. Auch die verbotenen. Der Pöbel braucht ja nicht alles zu wissen. Das verwirrt nur ihre Köpfe. Meine Macht liess mich alle guten Eigenschaften und Vorsätze vergessen. Ich war im Machtrausch und versteckte diese hinter einer gönnerhaften Larve, genannt Gesicht. Oh ja, ich war ein guter Schauspieler. Ich hatte meine Lektionen wirklich gut gelernt. Ich war ein ausgesprochenes Talent in guten Taten die immer das böse erzeugen.

So war es ab und zu nötig mich unerkannt unter den Pöbel zu mischen. Meine männliche Natur wollte zu ihrem Recht kommen. Niemand brauchte das zu wissen. Ausser die anderen, die mich auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht haben. Und das waren nicht wenige. Aber die hatte ich in der Hand. Denn ich habe einen guten Geheimdienst aufgebaut. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Also stieg ich ab und zu in die Schuhe des Fischers und in das Gewand eines Knechtes. Dann macht ich mich auf den Weg und streunte durch die Gassen. Weiber waren mein Ansporn damit ich meine Gelüste befriedigen konnte. Jedes mal eine andere. Denn es gab genug davon die sich verkauften. Die Not war zu meiner Zeit gross. Diese interessierte mich aber nicht. Ein heisser Bock sieht auch nicht um sich wenn er aufspringen will. Geld war natürlich kein Thema für mich. Ich brauchte nur in die Portokasse zu greifen und ich war versorgt. Ich lebte buchstäblich in einem Goldbergwerk.

Nun gut. In dieser Inkarnation war ich total versaut. Ich bin schwach geworden. Die Macht über andere hat mich alles Edle vergessen lassen. Das wird sicher noch ein Nachspiel geben. Au weia!

Fortsetzung folgt!

Dienstag, 8. März 2011

Fortsetzung 9

Oh ja, scheinbar lässt mich das Predigen und Bekehren nicht mehr los. Einige Inkarnationen habe ich so schon hinter mir als ich wieder in solch einem Leben als Pfaffe meine Erfahrungen sammeln sollte. Oh ja, da wird man wirklich geprüft. Diesmal nur zweimal das Oh ja. Kein gutes Zeichen! Nun denn, die heilige römische Kirche stand schon. Es spriessten schon die ersten spitzgiebeligen Kirchen mit einem Glockenturm aus dem Boden. Und ein Palast mitten in Rom, wie er dem Oberpfaffen geziemt, war fast vollendet.

 Meinesgleichen und natürlich auch ich waren auf Schäfchenfang um sie zu scheren. Nach so einer gottgefälligen Schur blieben nicht mehr viel Haare übrig. Oder soll ich es ganz offen ausdrücken. Man erleichterte das jeweilige arme Schaf all seiner Güter die sich im Laufe seines Lebens angesammelt haben um ihm eine Platzkarte im Himmel zu versprechen. Denn ein guter Platz im Himmel ist eine reine Preisangelegenheit. Man lässt da durchaus mit sich handeln. Denn Gebete sind gut aber Sachwerte, vor allem Gold und sonstiges Geschmeide, besser.

Die jetzige Inkarnation hat es allerdings in sich. Jetzt war ich nicht nur ein Dorfpfaffe der sich mit Malzkaffe und Knäckebrot zufrieden geben musste. Nein, diesmal machte ich den Aufstieg auf der Himmelsleiter im Sauseschritt. Ich hatte aus den vorhergehenden Inkarnationen gelernt. Und instiktiv benützte ich meine Schläue und meine Ellenbogen um die anderen Mitbewerber im Pfaffenrennen hinter mir zu lassen. Ich saugte förmlich Wissen aus der Akashacronik. Denn dieses Talent hat mich durch alle meine Inkarnationen hindurch begleitet. Natürlich wusste ich damals nicht was Akashacronik bedeutet. Aber bleiben wir einfach beim Instinkt und den Intuitionen.

Ich war ein aussergewöhnlich talentierter Schafsscherer. Und das vergoldete Kreuz auf der grossen Kuppel des Palastes hatte man meinem Eifer zu verdanken. Da musste ich schon den Adel angehen. Aber ich konnte gut Stiefellecken und war auch durchaus nicht sparsam mit Drohungen, dass wenn man nicht seinen Pelz lässt die Himmelspforte zubleiben würde. Und schon wurde der Beutel gezückt. Brave Leute, dieser Adel, das muss ich schon sagen. Das Gewicht des Kreuzes wurde mit reinem Gold berechnet. Aber der kleine Schwindel mit dem vergolden anstatt purem Gold bemerkt ja sowieso keiner. Und Gott, der Cheff vom Ganzen, bekam ein paar Kerzen und Räucherstäbchen geopftert und hielt still. Überhaupt war er sehr still. Nie bekam ich eine Antwort. Ich war schon im Parlament als der Oberpfaffe das Zeitliche segnete. Dann ging es zum Wählen. Ich hatte vorgesorgt. Denn Gold stinkt nicht. Und so habe ich mir so einige Stimmen gekauft. Und prompt wurde ich als Obermotz gewählt. Meine Machtgier kannte keine Grenzen mehr. Ich bekam den Hirtenstab!

Fortsetzung folgt!

Montag, 7. März 2011

Fortsetzung 8

Oh ja, während meiner Verschnaufpause zwischen zwei Inkarnationen wurde eine weitere Lektion mit meinem himmlischen und väterlichem Freund Gott und meiner Wenigkeit in Sachen Lebenserfahrung beschlossen um daraus zu lernen. Damit ich im Paradies nicht auf schlechte Gedanken kommen und den himmlischen Frieden nicht durch meine dummen Streiche stören würde. Das heisst also aus Fehlern lernen. Und je schmerzhafter sie sind umso mehr wird man sie in Zukunft vermeiden. Das heisst also auch im Umkehrschluss: Je öfters man einen Fehler wiederholt umso mehr steigert sich der Schmerz. Da heisst es lernen und nicht schlafen. Dreimal das Wort"heisst"! Dreimal wird der Hahn krähen. Natürlich drei Jahre später. Zufall?

Dieses mal wurde ich in einem kackwarmen Kuhstall geboren. Meine Eltern waren auf der Flucht. Das Einzigste was sie noch besassen war ein betagter Esel. Es war frisch draussen und ein heller Stern beleuchtete die Szene. Er hatte einen eigenartigen Schweif. Ich wurde in eine Futterkrippe zu den Rindviechern gelegt und mit Stroh bedeckt. So erlebte ich meinen ersten Tag auf Erden.

Mein Vater war Handwerker. Töpfer! Und als Handwerker konnte man immer sein Brot verdienen. Falls man fleissig war! Und mein Vater war fleissig. Schnell hat er sich in seiner neuen Heimat einen Namen gemacht und ich wuchs behütet und umsorgt auf. Ich war der letztgeborene unter sechs Kindern. Das Nesthäckchen. Aber das sollte mir gar nicht gut bekommen, denn ich wurde unverdient verwöhnt.

Das Töpfern lag mir gar nicht. Denn in meinen letzten Inkarnationen habe ich immer irgendwie mit Trockenobst zu tun gehabt. Mein Vater war traurig darüber aber er hatte ja noch drei andere Söhne die auf seinen Spuren wandelten und gute Töpfer wurden. Und ich? Ja, in mir wurde wieder die rebellische Ader wach. Für die anderen Leute war ich ein Taugenichts, aber nach innen war ich ein Suchender. Ich wurde  Fischer. Ganz einfach so. Mir fiel einfach nichts weiter ein, denn von irgendetwas musste ich ja leben. Und da ich nicht mit meinem Los zufrieden war trank ich ab und zu etwas zu viel und wurde ein berüchtigter Raufbold. Ein Raufbold mit einem weichen Kern. Aber ich verstand meine sensible Seele zu verstecken.

So lebte ich dahin bis zu meinem dreissigsten Lebensjahr. Da hörte ich von einem Wanderprediger der immer Hügel bevorzugte um zu predigen. Denn da konnte er seine Schäfchen überblicken. Meine Neugier und mein Instinkt trieb mich eines Tages zu dem Hügel wo dieser seltsame Mann seine Geschichten darlegte. Sie waren aussergewöhnlich. Er sprach davon, dass man seine Backen hinheben sollte wenn einer Lust hatte einen zu schlagen. Ein wirklich aussergewöhnliches Unterfangen. So ganz gegen meine Lebenserfahrung. Denn ich beschütze meine Backen und verteile kräftige Ohrfeigen und Hiebe mit der Faust wenn es nötig war. Und doch nagten die Worte des Predigers in mir. Ich spürte in mir, dass ich mich schon in meinen früheren Inkarnationen zu einem Suchendem entwickelte. Wenn auch mit heftigem Schwanken in meiner Lebensführung. Wie gesagt, aus Fehlern lernte man.

Wie immer warf ich meine Netze aus als ich den Prediger auf mich zuwandeln sah. Als ich das Netz  herauszog war kein einzigstes Fischchen darin. Ich könnte Gift und Galle spucken, so zornig wurde ich und lief an wie ein wütender Truthahn. Der Prediger blieb nahe bei mit stehen und sah mich prüfend an.

"Was glotzt du so"? Fegte ich ihn zornig an.

 "Probiere es noch einmal und du wirst dein Netz kaum heben können".

 Das sagte dieser Mensch in aller Ruhe zu mir. Mir stieg der Kamm aber irgendetwas liess mich aufhorchen. Murrend schmiss ich das Netz wieder in die brauen Brühe, noch tiefer in das Wasser watend. Und dann geschah etwas, was ich nie vergessen werde. Die Brühe schäumte auf und mein Netz war im Nu voll. Ich konnte es kaum heben. Ich verstand die Welt nicht mehr.

So wurde ich ein gelehriger Schüler dieses eigenartigen Mannes der, so wie ich erfuhr am gleichen Tag Geburtstag hatte wie ich und auch in einem stinkigen Stall geboren wurde. Dies belehrte mich in der jetzigen Inkarnation, dass es keine Zufälle gibt.

Den Rest möge man aus einem dicken Buch entnehmen, denn ich wurde ein berühmter Mann.

Fortsetzung folgt!

Dienstag, 22. Februar 2011

Fortsetzung 7

Alles ist dem babylonischen Geld verfallen. Der König ist nur noch eine Marionette. Priester haben im Hintergrund die wahre politische Macht in den Händen. Sie raffen das Geld der Bürger, durch harte Methoden eingetrieben, an sich und werfen dem König die abgenagten Knochen vor. Der König war machtlos. Wenn er einschreiten würde hätte er vielleicht sogar die Götter Babylons gegen sich. Und das sind nicht wenige. Was schlimmeres kann einem  König nicht passieren. Besonders wenn er satt ist und dekadent und sich nur noch um sein eigenes Wohlergehen kümmert. Das da sind: Wein, Weib, Spiel und Gesang. Grausige Spiele wie sie später nicht einmal die Römer aussinnen konnten.

Dies war die Situation die ich vorfand als ich Babylon kennenlernte. Aussen hui und innen pfui. Ich verkaufte meine ganzen Trockenfrüchte und erhielt babylonisches Tontafelgeld wovon ich die hier vorkommenden Nüsse kaufte. Ein glänzendes Geschäft wie ich meinen wollte. Meine Kamele würden wieder ganz schön was zum Schleppen haben.

Etwa die Hälfte meines Tontafelgeldes habe ich in Nüsse investiert, als plötzlich etwas ungeheures geschah. Man nahm mir die Tontafeln nicht mehr ab. Tontafelentwertung! Etwas mir völlig unbekanntes. Ich wusste zwar von den Schwankungen im Geldmarkt. Aber ich war auf Gold geeicht. Und Gold behielt immer noch etwas an Wert. Meine Tontafeln allerdings konnte ich in die Wüste werfen. Sand zu Sand. Ton zu Ton. Ich war der angeschmierte. Man hat es zwar schon läuten hören, dass die babylonische Währung in Probleme steckte. Aber es traf trotzdem alle wie die nassen Hunde. Keiner verstand mehr den anderen. Es herrschte Sprachverwirrung. Denn die Tontafelsprache war dem allgemeinen Volk nicht geläufig. Nur die Priesterkaste hatte den Zugang dazu.

Später wurden sie von dem wütendem Volk abgemurkst. Götter hin oder Götter her. Mit Tontafeln und verknöcherten Priestern konnte man halt nicht den knurrenden Magen beruhigen. Und Ratten als Proteinspender wurden auch immer rarer. Die heiligen Katzen wurden heimlich schon alle verzehrt. Bei Nacht und Nebel, dass der Katzengott es ja nicht mitbekommen würde. Den Turm zu Babel, den die Priesterkaste bis in den Himmel bauen wollte um den Göttern die Hand zu reichen, traf das gleiche Schicksal wie die Tontafeln. Sand zu Sand Ton zu Ton.

Die Ägypter konnte man noch  mit Zwiebeln beim Bau der Pyramiden bei Laune halten. Bei den Babyloniern klappte dieser Trick nicht. Da müsste schon Bier herhalten. Aber das kostete zu viel in der Herstellung. Ausserdem war der bekritzelte Ton wertlos geworden. Zuerst nahm das Pack Beschlag von dem Riesenbau und feierte darin seine Gelage. Dann zerfiel er. Lehm ist noch weniger haltbar wie Ton. Mit meinen Nüssen konnte ich den Schaden noch etwas eindämmen. Allerdings habe ich das eine gelernt. Traue keinen Tontafeln nicht!

Als ich alt war und meine Söhne das Geschäft weiterführten war ich zwar vermögend, vielleicht sogar reich, aber noch lange nicht der reichste Mann der Welt. Daher kann von Glück auch keine Rede sein. Tontafeln versauen mir immer noch den Appetit wenn ich nur an diese Dinge denke. Die Stadt Babylon versank mit seinen inzwischen auf viertausend Bürger eingeschrumpften Einwohnerschaft in Vergessenheit. Trockenobst hätte da länger gehalten.

Das Spiel mit Wein und Weib hat der Pöbel von dem inzwischen gelynchten Geldadel übernommen. Durch die übermässigen Saufgelage wurde das Immunsystem der restlichen Einwohner geschwächt und man vermutet, dass ein besonders gehässiger Gott ihnen einen Aidsvirus ins saure Bier geschüttet hat. Wohl bekomms!

Fortsetzung folgt!