Mittwoch, 9. März 2011

Fortsetzung 10

Mit einem schweren, goldenen Fingerring gerüstet segnete ich die armen Schafe die vor dem Palast die Worte aus meinem Mund saugten die mahnend und tröstend daraus herausträufelten. Mehr mahnend als tröstend. Denn Angst macht Spendierlaune.  Ich vergass dabei natürlich nicht sie zu erinnern, dass sogar den letzten Hosenknopf zu spenden gut für ihre Seele sei. Dass mein Verein dabei nicht erwähnt wurde versteht sich von selbst. Denn die meinten, dass Gott persönlich die Spenden in Empfang nehmen würde.

Unwissenheit des Fussvolkes ist etwas vorteilhaftes. Wenigstens für meinesgleichen. Aber ich selbst stieg fast täglich in die grosse Bibliothek in der hochgesicherten Unterwelt des Palastes. Und da waren wirklich alle Bücher vereint. Auch die verbotenen. Der Pöbel braucht ja nicht alles zu wissen. Das verwirrt nur ihre Köpfe. Meine Macht liess mich alle guten Eigenschaften und Vorsätze vergessen. Ich war im Machtrausch und versteckte diese hinter einer gönnerhaften Larve, genannt Gesicht. Oh ja, ich war ein guter Schauspieler. Ich hatte meine Lektionen wirklich gut gelernt. Ich war ein ausgesprochenes Talent in guten Taten die immer das böse erzeugen.

So war es ab und zu nötig mich unerkannt unter den Pöbel zu mischen. Meine männliche Natur wollte zu ihrem Recht kommen. Niemand brauchte das zu wissen. Ausser die anderen, die mich auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht haben. Und das waren nicht wenige. Aber die hatte ich in der Hand. Denn ich habe einen guten Geheimdienst aufgebaut. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Also stieg ich ab und zu in die Schuhe des Fischers und in das Gewand eines Knechtes. Dann macht ich mich auf den Weg und streunte durch die Gassen. Weiber waren mein Ansporn damit ich meine Gelüste befriedigen konnte. Jedes mal eine andere. Denn es gab genug davon die sich verkauften. Die Not war zu meiner Zeit gross. Diese interessierte mich aber nicht. Ein heisser Bock sieht auch nicht um sich wenn er aufspringen will. Geld war natürlich kein Thema für mich. Ich brauchte nur in die Portokasse zu greifen und ich war versorgt. Ich lebte buchstäblich in einem Goldbergwerk.

Nun gut. In dieser Inkarnation war ich total versaut. Ich bin schwach geworden. Die Macht über andere hat mich alles Edle vergessen lassen. Das wird sicher noch ein Nachspiel geben. Au weia!

Fortsetzung folgt!

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